Am 09. Mai 2026 kamen Angehörige von italienischen KZ-Opfern nach Steyr um ihrer ermordeten Verwandten zu gedenken. Anlass war der 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Mauthausen und des Außenlagers Steyr-Münichholz. Vor 81 Jahren, Anfang April 1945, wurde Guido Valota und Pericle Cima als Teilnehmer eines Todesmarsches auf der Ennsbrücke in Steyr erschossen. Seit 18 Jahren kommt die Gruppe aus Sesto San Giovanni, einer Industriestadt im Norden von Mailand, nach Steyr, um beim Italiener-Denkmal am Friedhof in Steyr ihrer zu gedenken.
Der Vorsitzende des Mauthausen Komitees Steyr Karl Ramsmaier wies in seiner Gedenkrede darauf hin, dass die menschenverachtende Ideologie des Faschismus und des National-sozialismus mit der Befreiung 1945 nicht zu Ende war, sondern in vielen Köpfen weiterlebte und neuerdings wieder verstärkt Anhänger findet. Extrem rechte oder sogar faschistische Positionen werden inzwischen von vielen akzeptiert und als normal angesehen. Es gebe zwar weiterhin eine antifaschistische Mehrheit, aber die fortschrittlichen Kräfte seien kleiner geworden und zunehmend ratlos während es der extremen Rechten gelingt ganz unterschiedliche Menschen zu mobilisieren und hinter sich zu vereinen. Das Vertrauen in die staatliche Problem-lösungsfähigkeit sinke und der Faschismus präsentiere sich als Lösung für eine tiefe Krise der Gesellschaft. „Der Faschismus der Gegenwart will die liberale Demokratie überwinden, ja zerstören“, sagte Ramsmaier und bezog sich dabei auf die Literatursoziologin Carolin Amlinger und den Basler Universitätsprofessor Oliver Nachtwey. Dem müsse durch eine verstärkte zeitgeschichtliche und demokratiepolitische Bildung in den Schulen, durch eine glaubwürdigere Politik, durch ein verstärktes Augenmerk auf die Schwächeren der Gesellschaft und durch ein entschiedenes Eintreten für die Menschenrechte entgegengewirkt werden.
Karl Ramsmaier würdigte auch das Leben von Guido Valota und seines Mithäftlings Pericle Cima. Der Arbeiter und Musiker Guido Valota (1905 – 1945) wurde wegen seines Kampfes gegen den Faschismus 1944 inhaftiert und nach Mauthausen deportiert. Nachdem er mehrere Außenlager von Mauthausen überstanden hatte, wurde er im April 1945 in Steyr auf einem Todesmarsch im Alter von 40 Jahren erschossen. Der Maschinenbauingenieur Pericle Cima (1899 – 1945) wurde als Mitglied der Partisanen Anfang Jänner 1944 verhaftet und in einem Gefängnis in Mailand gefoltert. Er wurde Anfang März 1944 nach Mauthausen deportiert. Auch er überstand einige Außenlager von Mauthausen und wurde ebenfalls im April 1945 in Steyr mit 46 Jahren auf einem Todesmarsch getötet.
Erinnert wurde auch an den Maschinenschlosser Cesare Lorenzi (1903 – 1945), der wegen eines Streiks gegen die Nazi-Diktatur Anfang März 1944 verhaftet und nach Mauthausen deportiert wurde. Er überlebte nicht nur Auschwitz und das Außenlager Steyr-Münichholz, sondern auch Mauthausen. 17 Tage nach seiner Befreiung am 5. Mai 1945 starb er im Alter 42 Jahren an Tuberkulose.
Besonders erwähnt wurde auch Giuseppe Valota. Seiner Initiative ist es zu verdanken, dass vor 18 Jahren am Steyrer Friedhof eine Gedenktafel für seinen Vater Guido Valota und dessen Mithäftling Pericle Cima errichtet wurde. Er war ein unermüdlicher Kämpfer gegen den Faschismus, schrieb Bücher und organisierte Gedenkfahrten. Wenige Monate vor seinem Tod 2021 kam er zum letzten Mal nach Steyr.
Mariela Valota gedachte in berührenden Worten ihres Großvaters Guido Valota. Sie sprach davon, dass durch das gemeinsame Erinnern Versöhnung geschehen ist und nun Freundschaft Menschen aus Sesto San Giovanni und Steyr verbindet. Erinnerung widmet sich nicht nur der Vergangenheit, Erinnerung setzt sich für sie mit der Gegenwart auseinander. Erinnerung muss für sie lebendig sein, sie muss den Jugendlichen eine Alternative zu Gewalt und Hass zeigen und vorleben. Erinnerung kann für sie nicht neutral sein, sie muss Stellung beziehen, wo Ideologien wieder aufleben, die Menschenwürde und Demokratie gefährden.
Der Steyrer Posaunist Bertl Mütter gestaltete die Gedenkfeier musikalisch. Dabei durfte das Lied Bella ciao, eine antifaschistische Hymne der Partisanen, nicht fehlen.



